
Friedrich Merz gehört zu den prägendsten Persönlichkeiten der gegenwärtigen deutschen Politik. Seine Karriere unterscheidet sich von der vieler anderer Spitzenpolitiker vor allem durch ihre ungewöhnlichen Wendungen: Er war Europaabgeordneter, Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, zog sich anschließend für viele Jahre aus der aktiven Bundespolitik zurück und arbeitete in der Wirtschaft und als Rechtsanwalt. Jahre später kehrte er zurück, übernahm den Vorsitz der CDU und erreichte schließlich das Amt, das lange außerhalb seiner politischen Reichweite zu liegen schien.
Seit dem 6. Mai 2025 ist Merz Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Gleichzeitig steht er seit 2022 an der Spitze der Christlich Demokratischen Union Deutschlands. Seine Kanzlerschaft fällt in eine Phase großer Herausforderungen: wirtschaftlicher Strukturwandel, internationale Konflikte, Migration, die Zukunft der Europäischen Union, technologische Transformation sowie die Frage, welche sicherheitspolitische Rolle Deutschland künftig übernehmen soll.
Joachim-Friedrich Martin Josef Merz wurde am 11. November 1955 in Brilon im Hochsauerlandkreis geboren. Die Region ist bis heute eng mit seiner persönlichen und politischen Identität verbunden. Auch Jahrzehnte später lebt er mit seiner Familie im Sauerland und vertritt den Hochsauerlandkreis im Deutschen Bundestag.
Bereits als Jugendlicher entwickelte Merz ein Interesse an Politik. 1972 trat er im Alter von 16 Jahren der CDU bei. Damit begann eine Verbindung zu der Partei, die über Jahrzehnte hinweg bestehen blieb, auch während jener Jahre, in denen er keine politischen Mandate innehatte.
Nach seinem Abitur im Jahr 1975 leistete Merz zunächst Wehrdienst. Anschließend studierte er von 1976 bis 1981 Rechts- und Staatswissenschaften an den Universitäten Bonn und Marburg. Das erste juristische Staatsexamen legte er 1982 ab, bevor er sein Referendariat am Landgericht Saarbrücken absolvierte. 1985 folgte das zweite Staatsexamen.
Seine juristische Ausbildung sollte für seine spätere Karriere von großer Bedeutung sein. Rechtliche und wirtschaftspolitische Fragen wurden zu wichtigen Schwerpunkten seiner politischen Arbeit, und seine Tätigkeit außerhalb des Parlaments blieb ebenfalls eng mit diesen Bereichen verbunden.
Nach Abschluss seiner Ausbildung arbeitete Merz zunächst als Richter am Amtsgericht Saarbrücken. Bereits 1986 wechselte er jedoch in den Anwaltsberuf. Von 1986 bis 1989 war er außerdem als Referent beim Verband der Chemischen Industrie tätig.
Seine erste große parlamentarische Aufgabe erhielt er auf europäischer Ebene. 1989 wurde Merz Mitglied des Europäischen Parlaments. Dort blieb er bis 1994 und sammelte Erfahrungen mit europäischer Gesetzgebung und den politischen Institutionen der damaligen Europäischen Gemeinschaft beziehungsweise der entstehenden Europäischen Union.
Diese europäische Erfahrung spielte auch später eine Rolle in seinem politischen Profil. Merz entwickelte sich zu einem Politiker, der wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit mit einer grundsätzlich proeuropäischen Orientierung verbindet, gleichzeitig aber regelmäßig Reformen der europäischen Institutionen und eine stärkere internationale Handlungsfähigkeit Europas fordert.
1994 folgte der Wechsel in die deutsche Bundespolitik. Merz wurde erstmals in den Deutschen Bundestag gewählt und vertrat dort den Hochsauerlandkreis. Damit begann seine erste lange Phase im deutschen Parlament, die bis 2009 dauern sollte.
Merz stieg innerhalb der Unionsfraktion vergleichsweise schnell auf. Von 1998 bis 2000 war er stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Im Jahr 2000 übernahm er schließlich den Fraktionsvorsitz und damit eine der wichtigsten Positionen der parlamentarischen Opposition.
In dieser Phase entwickelte er sich zu einem der bekanntesten wirtschaftspolitischen Köpfe der Union. Er setzte sich für eine marktwirtschaftlich orientierte Politik, niedrigere bürokratische Belastungen und Reformen des deutschen Steuer- und Sozialsystems ein. Seine politischen Positionen machten ihn insbesondere im wirtschaftsliberalen und konservativen Flügel der CDU populär.
Gleichzeitig begann eine politische Konstellation, die für seinen weiteren Karriereweg entscheidend werden sollte. Angela Merkel gewann innerhalb der CDU zunehmend an Einfluss. Nach der Bundestagswahl 2002 übernahm sie selbst den Vorsitz der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Merz wurde wieder stellvertretender Fraktionsvorsitzender und übte dieses Amt bis 2004 aus.
Die unterschiedlichen politischen Stile und Machtzentren von Merkel und Merz wurden über viele Jahre hinweg als Ausdruck verschiedener Strömungen innerhalb der CDU interpretiert. Während Merkel die Partei während ihrer langen Kanzlerschaft stark prägte, verlor Merz schrittweise seinen Einfluss in der ersten Reihe der Bundespolitik.
Merz gab 2009 sein Bundestagsmandat auf. Damit begann eine außergewöhnlich lange Unterbrechung seiner parlamentarischen Karriere.
Anders als viele ehemalige Spitzenpolitiker zog er sich jedoch nicht vollständig aus dem öffentlichen Leben zurück. Er konzentrierte sich auf seine juristische und wirtschaftliche Tätigkeit und übernahm verschiedene Funktionen in Unternehmen und Organisationen.
Von 2005 bis 2021 war Merz Partner der internationalen Rechtsanwaltskanzlei Mayer Brown LLP; ab 2017 arbeitete er dort als Senior Counsel. Darüber hinaus war er in unterschiedlichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Institutionen aktiv.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt seine langjährige Verbindung zur Atlantik-Brücke, einer Organisation, die sich für die deutsch-amerikanischen Beziehungen einsetzt. Merz war dort über zehn Jahre ehrenamtlicher Vorsitzender. Diese Erfahrung trug dazu bei, dass transatlantische Beziehungen und außenpolitische Fragen später einen wichtigen Platz in seinem politischen Profil einnahmen.
Die Jahre außerhalb des Bundestages machten Merz zu einer ungewöhnlichen Figur in der deutschen Politik. Einerseits war er nicht mehr unmittelbar an parlamentarische Machtstrukturen gebunden. Andererseits blieb sein Name innerhalb der CDU präsent, insbesondere unter jenen Mitgliedern, die sich eine stärkere wirtschaftsliberale und konservative Ausrichtung der Partei wünschten.
Als Angela Merkel 2018 ankündigte, den CDU-Vorsitz abzugeben, sah Merz die Gelegenheit für ein politisches Comeback. Nach fast einem Jahrzehnt außerhalb des Bundestages kandidierte er für den Parteivorsitz.
Seine Rückkehr erzeugte enorme mediale Aufmerksamkeit. Für Unterstützer verkörperte er die Möglichkeit eines politischen Neuanfangs und einer stärkeren Profilierung der CDU. Kritiker sahen dagegen seine lange Tätigkeit in der Wirtschaft und seine konservativeren Positionen skeptisch.
Beim CDU-Parteitag Ende 2018 unterlag Merz knapp Annegret Kramp-Karrenbauer. Doch damit war sein Comeback nicht beendet. Als die Partei erneut einen Vorsitzenden suchte, kandidierte er wieder. Anfang 2021 verlor er die nächste Abstimmung gegen Armin Laschet.
Zwei Niederlagen hätten das Ende seiner politischen Ambitionen bedeuten können. Merz entschied sich jedoch, weiterzumachen. Bei der Bundestagswahl 2021 kehrte er nach zwölf Jahren in den Deutschen Bundestag zurück und gewann erneut das Direktmandat im Hochsauerlandkreis.
Nach der Wahlniederlage der Union und Laschets Rückzug eröffnete sich eine weitere Gelegenheit. Bei der folgenden Mitgliederbefragung setzte sich Merz deutlich durch und wurde im Januar 2022 zum CDU-Vorsitzenden gewählt. Seit 2022 führt er die Partei.
Mit der Übernahme des CDU-Vorsitzes begann Merz, die Partei nach 16 Jahren Regierungszeit unter Angela Merkel neu auszurichten. Gleichzeitig übernahm er von 2022 bis 2025 den Vorsitz der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und wurde damit zum zentralen parlamentarischen Gegenspieler der Bundesregierung unter Olaf Scholz.
Die Union befand sich damals in einer schwierigen Situation. Nach Jahren als Regierungspartei musste sie ihre Rolle in der Opposition neu definieren und gleichzeitig klären, welche politische Identität sie nach der Merkel-Ära vertreten wollte.
Merz setzte stärker auf klassische Themen der Union: wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, innere Sicherheit, Begrenzung irregulärer Migration, eine leistungsorientierte Wirtschafts- und Sozialpolitik sowie eine stärkere deutsche und europäische Verteidigungsfähigkeit.
Dabei blieb er eine polarisierende Persönlichkeit. Unterstützer schätzten seine klare Sprache und seine wirtschaftspolitische Erfahrung. Kritiker warfen ihm vor, gesellschaftspolitisch zu konservativ aufzutreten oder mit zugespitzten Aussagen unnötige Kontroversen auszulösen.
Gerade diese Mischung aus wirtschaftlicher Kompetenz, konservativem Profil und konfrontativer Oppositionspolitik machte ihn jedoch zu einer der dominierenden Figuren der deutschen Politik nach dem Ende der Merkel-Ära.
Vor der Bundestagswahl 2025 ging die Union mit Friedrich Merz als Kanzlerkandidaten in den Wahlkampf. Sein zentrales Versprechen bestand darin, Deutschland wirtschaftlich wieder dynamischer zu machen und grundlegende Reformen anzustoßen.
Die wirtschaftliche Lage spielte dabei eine besonders wichtige Rolle. Deutschland hatte mit schwachem Wachstum, hohen Energiepreisen, Investitionsbedarf und strukturellen Herausforderungen in wichtigen Industriezweigen zu kämpfen. Gleichzeitig standen Migration, Verteidigung und internationale Sicherheit im Mittelpunkt der politischen Diskussion.
Merz präsentierte sich als Kandidat, der wirtschaftliche Erfahrung aus Politik und Privatwirtschaft miteinander verbinden könne. Seine Befürworter sahen gerade darin einen Vorteil gegenüber Politikern, deren Karriere fast ausschließlich innerhalb von Parteien und Parlamenten verlaufen war.
Nach der Bundestagswahl begann die Regierungsbildung. Schließlich entstand eine Bundesregierung unter Führung von CDU und CSU gemeinsam mit der SPD.
Am 6. Mai 2025 erreichte Friedrich Merz schließlich den Höhepunkt seiner politischen Karriere. Der Bundestag wählte ihn zum zehnten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Allerdings verlief die Wahl ungewöhnlich: Im ersten Wahlgang verfehlte Merz überraschend die erforderliche absolute Mehrheit. Erst in einem zweiten Wahlgang erhielt er mit 325 Stimmen die notwendige Unterstützung. Anschließend ernannte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ihn offiziell zum Bundeskanzler.
Der Moment war auch aufgrund seiner politischen Biografie bemerkenswert. Mehr als zwei Jahrzehnte zuvor hatte Merz bereits zu den führenden Politikern der Union gehört. Danach hatte er seine parlamentarische Karriere unterbrochen, war zweimal beim Versuch gescheitert, CDU-Vorsitzender zu werden, und hatte dennoch den Weg zurück an die Parteispitze gefunden.
Seine Kanzlerschaft begann zu einem Zeitpunkt, an dem Deutschland sowohl innen- als auch außenpolitisch unter erheblichem Veränderungsdruck stand. Die von Merz geführte Bundesregierung besteht aus dem Bundeskanzler und 17 Bundesministerinnen und Bundesministern.
Wirtschaftspolitik gehört seit Jahrzehnten zu den Themen, mit denen Friedrich Merz am stärksten verbunden wird. Als Bundeskanzler steht er vor der Aufgabe, seine früheren Forderungen nach wirtschaftlichen Reformen in konkrete Regierungspolitik umzusetzen.
Deutschland muss gleichzeitig mehrere strukturelle Veränderungen bewältigen. Die Industrie steht unter internationalem Wettbewerbsdruck, die Energiewende verlangt hohe Investitionen und neue Technologien verändern Arbeitsplätze und Geschäftsmodelle. Gleichzeitig stellen demografischer Wandel und Fachkräftemangel Unternehmen und Sozialsysteme vor langfristige Herausforderungen.
Die Bundesregierung unter Merz hat ihre Reformpolitik mit dem Ziel verbunden, Wachstum zu fördern, Arbeitsplätze zu sichern und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. In einer Regierungserklärung im Juli 2026 betonte Merz zudem sichere Arbeitsplätze, bessere Entwicklungsmöglichkeiten für Unternehmen und das Ziel, Deutschland und Europa im technologischen Wettbewerb wieder stärker in eine internationale Führungsposition zu bringen.
Diese wirtschaftspolitische Orientierung entspricht weitgehend dem Profil, das Merz bereits lange vor seiner Kanzlerschaft entwickelt hatte. Für ihn spielen private Investitionen, Unternehmertum und Wettbewerbsfähigkeit eine zentrale Rolle für die Finanzierung des Sozialstaates und die langfristige Stabilität Deutschlands.
Außen- und Sicherheitspolitik haben während der Kanzlerschaft von Friedrich Merz erheblich an Bedeutung gewonnen. Der russische Krieg gegen die Ukraine, Veränderungen im transatlantischen Verhältnis und eine zunehmend instabile internationale Ordnung stellen Deutschland vor strategische Fragen, die weit über klassische Außenpolitik hinausgehen.
Merz vertritt die Auffassung, dass Deutschland und Europa mehr Verantwortung für ihre eigene Sicherheit übernehmen müssen. Gleichzeitig misst er der transatlantischen Partnerschaft traditionell große Bedeutung bei – eine Haltung, die auch durch seine langjährige Tätigkeit in der Atlantik-Brücke geprägt wurde.
In seiner Neujahrsansprache für 2026 beschrieb Merz eine Welt, die sich mit großer Geschwindigkeit verändert, und verwies sowohl auf den Krieg in Europa als auch auf wirtschaftlichen Reformdruck, internationale Handelskonflikte und technologische Umbrüche.
Auch in seiner Regierungserklärung zur außenpolitischen Lage im Januar 2026 stellte er die Entstehung einer neuen internationalen Ordnung und die wachsenden Sicherheitsfragen in den Mittelpunkt. Damit ist Sicherheitspolitik zu einem zentralen Bestandteil seines Kanzlerprofils geworden.
Merz kennt die europäischen Institutionen aus eigener Erfahrung, da seine parlamentarische Karriere 1989 im Europäischen Parlament begann. Mehr als drei Jahrzehnte später steht er als Bundeskanzler vor der Aufgabe, die deutsche Europapolitik in einer völlig veränderten geopolitischen Umgebung zu gestalten.
Seine europapolitische Linie verbindet grundsätzliches Bekenntnis zur europäischen Integration mit Forderungen nach Reformen. Er sieht die Europäische Union nicht nur als wirtschaftliches Projekt, sondern zunehmend auch als geopolitischen Akteur, der in Verteidigung, Technologie, Energie und Handel eigenständiger handeln können muss.
In einer Regierungserklärung im März 2026 sprach Merz ausdrücklich von geopolitischen und geoökonomischen Veränderungen sowie einem Reformstau innerhalb der Europäischen Union und Deutschlands.
Damit steht seine Europapolitik vor einem klassischen Spannungsfeld: Einerseits soll die EU enger zusammenarbeiten und international handlungsfähiger werden, andererseits müssen nationale wirtschaftliche Interessen und unterschiedliche politische Vorstellungen der Mitgliedstaaten berücksichtigt werden.
Migration gehört zu den politisch sensibelsten Themen der jüngeren deutschen Geschichte und spielt auch für Merz eine zentrale Rolle. Bereits als Oppositionsführer forderte er eine deutlich stärkere Begrenzung irregulärer Migration und konsequentere Kontrollen.
Das Thema hat erheblichen Einfluss auf die politische Konkurrenz in Deutschland. Die Union versucht unter Merz, Wählerinnen und Wähler zurückzugewinnen, die sich insbesondere bei Fragen der Migration und inneren Sicherheit von den etablierten Parteien nicht ausreichend vertreten fühlen.
Gleichzeitig muss Regierungspolitik rechtliche, humanitäre und europäische Verpflichtungen berücksichtigen. Genau darin liegt eine der schwierigsten Aufgaben seiner Kanzlerschaft: politische Forderungen aus der Opposition in Maßnahmen umzusetzen, die sowohl praktisch funktionieren als auch mit deutschem und europäischem Recht vereinbar sind.
Die Entwicklung dieses Politikfeldes dürfte deshalb erheblichen Einfluss darauf haben, wie die Regierungszeit von Merz langfristig bewertet wird.
Friedrich Merz besitzt einen politischen Stil, der sich deutlich von dem Angela Merkels unterscheidet. Während Merkel häufig auf vorsichtige Formulierungen und schrittweise Entscheidungen setzte, tritt Merz stärker argumentativ und konfrontativ auf.
Seine Anhänger betrachten diese Direktheit als Stärke. Sie sehen in ihm einen Politiker, der Konflikte benennt und politische Unterschiede sichtbar macht. Kritiker wiederum argumentieren, dass manche seiner Formulierungen gesellschaftliche Debatten unnötig verschärfen können.
Diese Polarisierung begleitet Merz bereits seit seiner Rückkehr in die aktive Politik. Gleichzeitig hat seine ungewöhnliche Karriere ihm ein Profil verliehen, das nur wenige deutsche Spitzenpolitiker besitzen. Er kennt sowohl parlamentarische Politik als auch internationale Wirtschaft und Rechtsberatung aus langjähriger eigener Erfahrung.
Sein politisches Selbstverständnis beschreibt er selbst mit den Begriffen Freiheit und Verantwortung. Auf seiner CDU-Seite bezeichnet er das christliche Menschenbild als Ausgangspunkt seines politischen Handelns und Politik als Dienst an der Gesellschaft.
Merz ist mit Charlotte Merz verheiratet, die ebenfalls Juristin ist. Die beiden lernten sich 1980 während ihres Studiums in Bonn kennen. Nach Angaben der CDU haben sie drei Kinder und sieben Enkelkinder. Zu ihren gemeinsamen Interessen gehören unter anderem Wandern und Radfahren.
Trotz seiner langen Tätigkeit in Berlin und seiner internationalen beruflichen Erfahrungen ist Merz dem Sauerland eng verbunden geblieben. Diese regionale Verwurzelung spielt auch in seiner politischen Selbstdarstellung eine wichtige Rolle.
Neben Politik und Wirtschaft ist er für seine Begeisterung für die Fliegerei bekannt. Insgesamt vermittelt sein öffentliches Profil damit eine Kombination aus regionaler Verbundenheit und internationaler beruflicher Erfahrung.
Unabhängig davon, wie seine Kanzlerschaft langfristig bewertet werden wird, hat Friedrich Merz die Entwicklung der CDU nach Angela Merkel bereits entscheidend geprägt.
Seine Wahl zum Parteivorsitzenden markierte eine erkennbare Veränderung. Die CDU sollte nach seinem Verständnis wieder deutlicher als eigenständige politische Kraft erkennbar werden und insbesondere in Wirtschafts-, Migrations- und Sicherheitspolitik ein klareres Profil entwickeln.
Diese Neuorientierung war gleichzeitig mit einer strategischen Herausforderung verbunden. Die CDU ist traditionell eine breite Volkspartei, die konservative, christlich-soziale und wirtschaftsliberale Strömungen zusammenführt. Ein Parteivorsitzender muss deshalb unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen ansprechen, ohne die eigene politische Identität zu verlieren.
Merz gelang schließlich etwas, das nach seinen Niederlagen bei früheren Parteivorsitzwahlen keineswegs selbstverständlich erschien: Er führte die CDU zurück ins Kanzleramt und wurde selbst Regierungschef.
Die politische Biografie von Friedrich Merz ist außergewöhnlich. Nur wenige Politiker erreichen die Spitze einer großen Partei, verlassen anschließend für mehr als ein Jahrzehnt das Parlament und kehren später zurück, um schließlich Bundeskanzler zu werden.
Seine Karriere umfasst inzwischen mehrere politische Epochen. Er begann seine parlamentarische Laufbahn noch während der Kanzlerschaft Helmut Kohls, wurde während der Regierungszeit Gerhard Schröders Oppositionsführer im Bundestag, erlebte den Aufstieg Angela Merkels, zog sich aus dem Parlament zurück und kehrte nach dem Ende ihrer Kanzlerschaft an die Spitze der CDU zurück.
Gerade diese lange Perspektive unterscheidet ihn von vielen Mitgliedern seiner Regierung. Merz verbindet Erfahrungen aus der europäischen Politik, dem Bundestag, der Privatwirtschaft und der Parteiführung.
Seit dem 6. Mai 2025 trägt er als Bundeskanzler die politische Gesamtverantwortung für die Bundesregierung. Seine Aufgabe besteht nun nicht mehr darin, Reformen aus der Opposition zu fordern, sondern Mehrheiten zu organisieren und konkrete Ergebnisse innerhalb einer Koalitionsregierung zu erzielen.
Im September 2026 ist Friedrich Merz weiterhin Bundeskanzler Deutschlands. Für eine abschließende Bewertung seiner Kanzlerschaft ist es deshalb zu früh. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob seine Regierung die wirtschaftlichen und strukturellen Reformen umsetzen kann, mit denen er seinen Anspruch auf politische Führung begründet hat.
Sein langfristiges Vermächtnis dürfte insbesondere davon abhängen, wie Deutschland wirtschaftlichen Wandel, europäische Sicherheit, Migration, technologische Transformation und die Veränderungen der internationalen Ordnung bewältigt. Gleichzeitig wird entscheidend sein, ob es Merz gelingt, die unterschiedlichen politischen Erwartungen innerhalb seiner Regierungskoalition und der deutschen Gesellschaft miteinander zu verbinden.
Schon heute steht jedoch fest, dass seine Karriere einen ungewöhnlichen Platz in der Geschichte der Bundesrepublik einnimmt. Friedrich Merz schien die erste Reihe der deutschen Politik bereits verlassen zu haben, bevor er Jahre später zurückkehrte, mehrere innerparteiliche Niederlagen überwand und schließlich das Bundeskanzleramt erreichte. Dieser Weg von einem jungen Europaabgeordneten über Fraktionsvorsitz und Privatwirtschaft bis an die Spitze der Bundesregierung macht ihn zu einer der bemerkenswertesten politischen Persönlichkeiten Deutschlands in den ersten Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts.






